
Prim. Univ.-Prof. Dr. Anton Berger, Vorstand d. Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Graz
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Die Vorsorgeuntersuchung: DICKDARM- und MASTDARMKREBS
Die Anzahl der Neuerkrankungen bei Dickdarm- und Mastdarmkrebs hat sich zwischen 1960 und 1990 verdoppelt - jährlich erkranken ca. 5.000 bis 6.000 Menschen an diesem Leiden. Auch in Österreich hat die Zahl an Ersterkrankungen zugenommen und ist zum zweithäufigsten Karzinom geworden. Um einerseits die Anzahl der Neuerkrankungen zu reduzieren und andererseits diese Erkrankung bereits in einem frühen und damit günstigen Stadium behandeln zu können, kommt der Vorbeugung und Früherkennung ein sehr hoher Stellenwert zu.
Die Früherkennung des Mast- und Dickdarmkrebses und seiner Vorstufen ist somit von entscheidender Bedeutung für die weitere Lebenserwartung. Ca. 90% aller Tumore entwickeln sich aus Darmpolypen. Die große Chance effektiver Krebsvorbeugung liegt in der endoskopischen (Anm.: =Zugang über die natürlichen Körperöffnungen, in diesem Fall via Anus) Entfernung dieser Polypen, wodurch man der Entstehung eines bösartigen Tumors zuvorkommt. Denn ca. 7 bis 10 Jahre beträgt der Zeitraum, in dem sich aus einem gutartigen Polypen schließlich ein bösartiger Tumor entwickeln kann. Diese Zeit steht für Vorsorgeuntersuchungen zur Verfügung.
10% aller Mastdarm- und Dickdarmtumoren lassen sich auf genetische Ursachen zurückführen. Trotz der Fortschritte der Medizin ist eine genetische Diagnostik bis zum heutigen Zeitpunkt nicht durchführbar. Eine sogenannte positive Familienanamnese (d.h. in diesem Fall ein gehäuftes Auftreten von Darmkrebs in der nahen Verwandtschaft) wird heute als stärkster Hinweis für eine Vererbung angesehen und muss daher immer in die Erhebung mit einbezogen werden.
Wann soll man nun mit der Vorsorge beginnen?
Bei normalem Risiko sollten grundsätzlich ab dem 40. Lebensjahr jährliche Stuhluntersuchungen auf occultes (verstecktes, mit dem freien Auge nicht sichtbares) Blut erfolgen. Ab dem 45. Lebensjahr sollte eine Basiskolonoskopie (eine erste Dickdarmspiegelung) folgen. Ein höheres Risiko besteht bei Menschen, in deren Familien bereits Dickdarmkrebs aufgetreten ist, sowie bei Personen nach Darmpolypentfernung, nach Dickdarmkrebsoperationen, als auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Bei dieser Risikogruppe muss eine Dickdarmspiegelung schon 10 Jahre früher, d.h. ab dem 35. Lebensjahr, durchgeführt werden. Bei vererbbaren familiär auftretenden Darmpolypenerkrankungen muss die Vorsorge sogar bereits im Jugendalter (zwischen 11. und 15. Lebensjahr) begonnen werden, einschließlich eines Gentests. Denn Genträger müssen sich alle zwei Jahre einer Magenspiegelung und Ultraschalluntersuchung unterziehen. Bei positivem Nachweis auf Blut im Stuhl ist natürlich auch eine Darmspiegelung zwingend notwendig. Das Intervall der Darmspiegelung bei einwandfrei festgestelltem, unauffälligem Mastdarm und Dickdarm beträgt 8 bis 10 Jahre. Mit Hilfe dieser Vorsorgeuntersuchung kann diese Erkrankung bereits im Frühstadium erkannt, bzw. behandelt werden mit entsprechend großer Chance auf Heilung.
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