
Prim.i.R. Univ.-Doz. Dr. Elmar Holzer, ehemaliger Vorstand der Gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses d. Barmherzigen Brüder in Graz
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Die Vorsorgeuntersuchung: GYNÄKOLOGISCHE ERKRANKUNGEN
In der Frauenheilkunde sind Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig. Durch einfache Untersuchungen in regelmäßigen Abständen können in einer großen Zahl von Fällen Krebserkrankungen in anfänglichen Entwicklungsstufen erkannt und somit eine rechtzeitige Behandlung ermöglicht werden.
In erster Linie ist dies die Zellabstrichuntersuchung vom Muttermund, kombiniert mit einer genauen Betrachtung des Muttermundes durch eine Vergrößerungseinrichtung, das Kolposkop. Dadurch werden früheste Entwicklungsstadien von Krebserkrankungen, die vom Gebärmutterhals und dem Muttermund ausgehen, erkannt. Eine anschließende kleine Gewebsentnahme oder Ausschabung des Muttermundes ist dann unerlässlich, um die genaue Natur der Erkrankung erkennen zu können. In vielen Fällen genügt als Behandlung eine kleine Operation, bei der ein kegelförmiges Gewebsstück aus dem Muttermund entfernt wird. Nach dieser Operation können weiterhin Schwangerschaften empfangen und ausgetragen werden.
Erkrankungen am Muttermund entstehen häufig auf dem Boden einer Infektion mit dem Herpesvirus. Es ist daher besonders wichtig, dass sich bereits junge Mädchen, wenn sie Geschlechtsverkehr aufgenommen haben, diesen einfachen, jährlich zu wiederholenden Vorsorgeuntersuchungen unterziehen.
In gleicher Weise können auch Krebserkrankungen der Scheide und der äußeren Geschlechtsteile ebenfalls schon in Frühstadien entdeckt werden. Erkrankungen der äußeren Geschlechtsteile (das sind die Schamlippen und die Klitoris) betreffen häufig ältere Frauen. Oft stellen betroffene Frauen auffällige Hautveränderungen oder Knotenbildungen selbst fest. Durch falsche Scham wird aber der Weg zum Arzt oft lange hinausgeschoben und dadurch die Erkennung der Erkrankung verzögert und wertvolle Zeit vergeudet.
Es ist leider eine Fehlmeinung, dass die Abstrichuntersuchung bezüglich einer von den weiblichen Geschlechtsorganen ausgehenden Krebserkrankung in allen Fällen eine Früherkennung ermögliche. Bereits die etwas höher oben in der Gebärmutterhöhle entstehenden Krebserkrankungen werden durch die Zellabstrichuntersuchung nur unzulänglich entdeckt. Diese Krebsformen treten vorwiegend in den Wechseljahren und in späteren Lebensjahren auf. Blutungsstörungen oder nach mehrjährigem blutungsfreien Intervall wieder auftretende Blutungen sind dafür Alarmsignale. Dann muss durch eine Kürettage, ( eine Ausschabung der Gebärmutterhöhle) und feingewebliche Untersuchung dieses Materials eine ernstzunehmende Erkrankung ausgeschlossen oder umgekehrt gesichert werden. Die Kürettage wird durch eine vergrößernde Betrachtung der Gebärmutterhöhle, die Hysteroskopie, ergänzt, wodurch die Treffsicherheit erhöht wird.
Unzweifelhaft das größte Problem im Hinblick auf eine Früherkennung stellen die Erkrankungen der Eierstöcke und der Eileiter dar. Diese Erkrankungen entwickeln sich zumeist sehr rasch, sodass eine Entdeckung und Behandlung erst in einem fortgeschrittenen Stadium erfolgt. Die neuerdings durch die Scheide durchgeführte Ultraschalluntersuchung kann verdächtige Veränderungen erkennen lassen, die sich bei unverzüglicher Operation als beginnende bösartige Eierstockerkrankung herausstellen. Zumeist sind es aber uncharakteristische allgemeine Beschwerden, wie Völlegefühl, Zunahme des Bauchumfanges, Verstopfung oder ähnliches, die die Frauen erstmals zum Arzt führen.
Durch die regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung, die eine kolposkopische Betrachtung (Anm.: Inspektion durch ein in die Scheide einzuführendes Gerät) des Muttermundes, eine Zellabstrichuntersuchung, die Tastuntersuchung durch Scheide und Mastdarm und neuerdings auch eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide umfasst, kann in einer großen Zahl von Fällen eine Krebserkrankung in ihren Anfangsstadien erkannt werden. Ergänzt werden muß die gynäkologische Untersuchung durch eine Tastuntersuchung der Brust und Anleitung zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen, worauf an anderer Stelle noch näher eingegangen wird. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen, Selbstuntersuchung und auch Selbstbeobachtung stellen somit eine Einheit dar. Viel Leid kann durch eine frühzeitige Entdeckung und für eine Heilung noch rechtzeitige Behandlung verhindert werden.
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