Univ.-Prof. Dr. Peter Petritsch, Facharzt f. Urologie an der Urologischen Universitätsklinik in Graz



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Die Vorsorgeuntersuchung:
PROSTATA- und BLASENKREBS

"Gesund alt werden" ist nicht nur ein Schlagwort, das eine Minderheit interessiert, sondern es ist ein Faktum, das jeden angeht. Unlängst wurde über die Medien berichtet, dass sich die Zahl der über 60jährigen in unserem Land in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln wird — von 1,5 Millionen auf 3 Millionen.

Nun ist es eine Tatsache, daß die Krankheitsanfälligkeit mit zunehmenden Alter deutlich ansteigt, wobei bestimmte Umstände (wie erhöhte Risikofaktoren) dies noch fördern. Daher ist die Prävention von Krankheiten und damit die Vorsorgeuntersuchung ein Thema für uns alle und von höchster gesundheitspolitischer Aktualität. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie möchte ich diese Initiative der Österreichischen Krebshilfe Steiermark, unterstützt durch das Gesundheitsressort des Landes, besonders befürworten und auf die besondere Problematik der Erkrankungen des Urogenitaltraktes hinweisen:
Gerade diese Erkrankungen nehmen im Alter nämlich beträchtlich zu und können die Lebensqualität wesentlich im negativen Sinn beeinflussen, unter Umständen sogar lebensbedrohlich werden oder ein langes Siechtum verursachen, wenn Sie nicht rechtzeitig erkannt und einer entsprechenden Behandlung zugeführt werden. Krankhafte Veränderungen im Bereich des unteren Harntraktes sind sowohl bei Mann und Frau im fortgeschrittenen Alter äußerst häufig und manifestieren sich in Beschwerden die in Fachkreisen mit den Anfangsbuchstaben aus dem Englischen LUTS ( Lower Urinary Tract Symptoms) umschrieben werden. Darunter verstehen wir Beschwerden, wie ständiger oder verstärkter Harndrang auch des Nachts, unwillkürlicher Harnverlust, verstärktes Nachträufeln nach dem Harnlassen, gehäufte Blasenentzündungen mit schmerzhaftem Harnlassen usw.

Beim Mann kommt es ab dem 50. Lebensjahr zu einer Vergößerung der Prostata (Vorsteherdrüse), die für ein erschwertes Harnlassen und die obigen Symptomen verantwortlich ist. Fast 90% der Männern entwickeln eine derartige Prostatavergrößerung und 40 Prozent zeigen die oben beschriebenen Symptome. Auch Frauen in den Wechseljahren leiden häufig an derartigen Beschwerden, wobei als Ursache Veränderungen an der Blase, des Beckenbodens und der Harnröhre unter Umständen als Folge der geänderten Hormonsituation anzunehmen sind. Aber nicht nur gutartige Erkrankungen können Ursache derartiger Symptome sein, sondern auch bösartige Erkrankungen, deren Verlauf oft noch viel schleichender einsetzt und daher oft gar nicht wahrgenommen wird. Wenn eine bösartige Erkrankung erst einmal Symptome verursacht, kann es für einen heilenden Eingriff auch oft schon zu spät sein.

Wenn also Symptome der oben beschriebenen Art bestehen, heißt es den Urologen aufzusuchen und jegliche Scheu und Scham vergessen. Der Urologe wird Sie entsprechend untersuchen, wobei diese Untersuchungen schon lange nicht mehr so unangenehm sind, wie sie viele Menschen vom Hörensagen zu kennen glauben. Auch die Behandlung ist in vielen Fällen nicht unbedingt schmerzhaft. Und nicht in jedem Fall ist eine Operation angezeigt, vielfach kann man durch eine rein medikamentöse Behandlung das Auslangen finden. Auch die operativen Therapien haben durch neue Techniken ihren Schrecken verloren und viele Patienten sind nach erfolgreicher Operation ihres Lebens wieder froh und vergessen rasch ihren oft lange bestehenden Leidenszustand. In jedem Fall sollten Sie aber die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung der Österreichischen Sozialversicherung, ein wahrer Segen unseres Gesundheitssystems, in Anspruch nehmen. Sowohl die Befragung durch den Arzt, als auch die klinische, das heißt, die körperliche Untersuchung, kann neben den vorgesehenen Laboruntersuchungen krankhafte Befunde aufdecken. Dabei geht es insbesondere beim Mann um die Erkennung eines möglichen Prostatakrebses.

Das Risiko einer bösartigen Erkrankung steigt mit zunehmenden Alter nämlich deutlich an. Daher sollte sich eigentlich jeder Mann jenseits des 50. Lebensjahres einmal pro Jahr einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen, Das Prostatakrebs-Risiko bei Männern ist übrigens 3mal so hoch (verglichen mit der Normalbevölkerung), wenn bereits der Vater oder ein Bruder an Prostatakrebs erkrankt sind.

Das Prostatakarzinom stellt heute bereits die häufigste bösartige Geschwulst des Mannes in Österreich dar und hat den Lungenkrebs bereits überholt. Es wäre allerdings empfehlenwert, dass im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen auch ein urologischer Test erfolgt, der neben der körperlichen Untersuchung eine PSA-Bestimmung (Bluttest) und eine Ultraschalluntersuchung inkludiert. Denn nur die Früherkennung des Prostatakrebses bietet Ihnen durch eine entsprechende Behandlung die Chance einer Heilung!
Dies gilt natürlich auch für andere bösartige Erkrankungen des Urogenitaltraktes, insbesondere auch für den Blasenkrebs der in den letzten Jahren deutlich an Frequenz zugenommen hat. Wobei starke Raucher hinsichtlich dieses Leidens besonders gefährdet sind.

Abschließend ist festzustellen, dass Sie durch eine entsprechende und bewusste Lebensweise (Kontrolle der Essgewohnheiten, körperliches Training) der Vermeidung von Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol...) selbst viel zu Ihrer Gesundheit beitragen können. Um besonders sicher zu gehen, nützen Sie daher die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung! Dem Mann über 50 rate ich zumindest einmal im Jahr den Besuch eines Urologen. Er wird Ihnen auch in Fragen der Gesundheit - oder Wellness - um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, die natürlich auch die Frage der Sexualität umfasst, zur Seite stehen!