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Thema des Monats Mai "31. Mai - Weltnichtrauchertag: Don´t Smoke!"

Rektor Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg und Dr. Daniela Jahn-Kuch

Zusammengestellt von Rektor Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg/Medizinische Universität Graz und Dr. Daniela Jahn-Kuch/Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung (UPE) Graz

31. Mai - Weltnichtrauchertag: "Don´t Smoke!"

Der Konsum von Tabakprodukten stellt laut Weltgesundheitsorganisation WHO das größte einzelne Gesundheitsrisiko und die größte vermeidbare Todesursache in den westlichen Industrienationen dar. Im 20. Jahrhundert sind weltweit über 100 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens verstorben, derzeit sind es jährlich ca. 6 Millionen Menschen, die an einer tabakassoziierten Erkrankung versterben. Wenn diese Entwicklung ungebremst anhält, ist Schätzungen zu Folge in diesem Jahrhundert mit ca. 1 Milliarde Toten aufgrund des weltweiten Tabakkonsums zu rechnen.  
Raucher sterben jung, nahezu die Hälfte der Betroffenen verstirbt im Alter zwischen 35 und 69 Jahren. Ca. ein Drittel der tabakkonsumbedingten Todesfälle ist durch eine Krebserkrankung (z.B.: Lungenkarzinom, Harnblasenkarzinom, Pankreaskarzinom) bedingt, ein Drittel die Folge von  Atemwegserkrankungen (Pneumonie, COPD) und ca. ein Drittel die Folge  kardiovaskulärer Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall).

Wie wir aus zahlreichen Untersuchungen wissen, sind aber nicht nur aktive Raucher den gesundheitlichen Risiken des Tabakrauchs ausgesetzt, auch Nichtraucher haben mit gesundheitlichen Einschränkungen zu rechnen, wenn sie regelmäßig Tabakrauch einatmen müssen. Beim Passivrauchen werden die gleichen toxischen und krebserregenden Substanzen eingeatmet, die auch Raucher inhalieren. Tabakrauch enthält mehr als 4800 organische und anorganische Verbindungen, von denen mindestens 250 als toxisch und 90 als krebserzeugend (z.B: Arsen, Blei, Polonium, Nickel, Phenole) oder möglicherweise krebserzeugend eingestuft werden.  
Für die Tabakrauchbelastung kann kein Grenzwert angegeben werden, unterhalb dessen kein gesundheitsschädliches Risiko besteht – weder für Erwachsene noch für Kinder. Jährlich versterben weltweit ca. 600000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, 170 000 davon sind Kinder. Unter den 12-  bis 14 000 Menschen, die jährlich in Österreich an den Folgen des Rauchens versterben, sind ca. 1000 Nichtraucher.

Regelmäßiges Passivrauchen erhöht das Risiko für die Entwicklung eines Herzinfarktes um bis zu 30 Prozent, das Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs um 20-30 Prozent und das Risiko an einer COPD zu versterben um rund 25 Prozent. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wird ebenfalls signifikant erhöht.
Kinder sind von den gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens besonders betroffen. Zum einen deshalb, weil die aufgenommene Giftmenge von der Atemfrequenz abhängt. Da diese bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen deutlich höher ist, atmen Kinder in der gleichen Zeiteinheit auch mehr Giftstoffe ein. Zum anderen besitzen Kinder ein geringeres Körpergewicht, daher kann die gleiche Menge einer giftigen Verbindung bei Kindern eine viel schädlichere Wirkung entfalten.
Etwa 40% aller Kinder weltweit sind regelmäßig dem Passivrauchen ausgesetzt. Durch das Passivrauchen werden Lungenwachstum und – entwicklung deutlich beeinträchtigt, und zwar schon ab der Schwangerschaft.  Säuglinge von Frauen, die während der Schwangerschaft regelmäßig dem Passivrauchen ausgesetzt sind, weisen bei der Geburt ein geringeres Körpergewicht und eine geringere Körpergröße auf und sterben häufiger am plötzlichen Kindstod.
Passivrauchen erhöht dosisabhängig das Risiko von Kindern für die Entwicklung von akuten und chronischen Atemwegssymptomen, wie z.B. asthmatische Symptome. Bei Kindern, die bereits unter Asthma leiden, führt eine Tabakrauchexposition zu einer Verschlimmerung der Krankheitssymptome. Das Risiko für Erkrankungen der unteren Atemwege (Lungenentzündungen, Bronchitis) ist für ein passivrauchendes Kind insgesamt um mehr als 50 Prozent höher als bei einem Kind, das keinen Tabakrauch einatmen muss. Passivrauchende Kinder erleiden auch häufiger Hirnhautentzündung und Mittelohrentzündungen.

Aus zahlreichen Untersuchungen geht hervor, dass die Implementierung einer absolut rauchfreien Gastronomie eine der wesentlichsten Maßnahmen zur Eindämmung tabakassoziierter Erkrankungen und Todesfälle ist. In 17 von 28 EU-Ländern besteht bereits ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahme. Untersuchungen aus diesen Ländern zeigen nicht nur einen deutlichen Rückgang der Raucherraten unter der erwachsenen und jugendlichen Bevölkerung, sondern auch eine deutliche Abnahme der tabakassoziierten Morbiditäts- und Mortalitätsraten. Als weiterer positiver Effekt zeigt sich, dass in den Ländern mit einer absolut rauchfreien Gastronomie auch in den Eigenheimen deutlich seltener zur Zigarette gegriffen wird. Diese Entwicklung ist vor allem für Kinder und Jugendliche relevant, da diese am häufigsten im eigenen Zuhause und in der Gastronomie dem Passivrauchen ausgesetzt sind.
Trotz dieser eindeutigen Datenlage hat die jetzige Regierung das Nichtraucherschutzgesetz, das ab 1. Mai 2018 in Österreich in Kraft treten hätte sollen, nun wieder zurückgenommen. Somit wird es in Österreich nicht nur weiterhin möglich sein, in Lokalen jeglicher Art zu rauchen, Österreich wird auch weiterhin seinem zweifelhaften Ruf als eines der letzten Raucherparadiese Europas gerecht.

Laut den aktuellsten OECD-Daten rauchen 24,3 Prozent der österreichischen Bevölkerung täglich, damit belegen wir den drittschlechtesten Platz in der EU. Österreich ist auch das Land mit den meisten Raucherinnen in Europa. Bezeichnenderweise wies Österreich 2009/10 sogar die höchste Jugendraucherquote in Europa auf. Auch wenn sich in den letzten Jahren tendenziell ein Rückgang in der Raucherprävalenz abzeichnete, rauchen weiterhin überdurchschnittlich viele Jugendliche in Österreich. 14,5% der 15-jährigen rauchen mindestens 1x pro Woche, der europäische Durchschnitt liegt bei 11,7%.

Zwischen 2006 und 2017 hat sich der Raucheranteil europaweit im Schnitt um 6 % reduziert. Großbritannien, ein Land, das seit 10 Jahren eine rauchfreie Gastronomie hat, verzeichnet sogar einen Rückgang von 16% in diesem Zeitraum. In Österreich ist die Raucherquote in diesen 11 Jahren lediglich um 3% zurückgegangen. Wenig verwunderlich daher auch, dass Österreich 2016 bereits zum vierten Mal in Folge auf der Tobacco Control Scale, die die Umsetzung wirksamer Strategien zur Eindämmung des Tabakkonsums und zur Verbesserung des Nichtraucherschutzes misst, an letzter Stelle von 35 europäischen Ländern liegt.

Seit 1.1.2009 gilt in Österreich zwar in gastronomischen Betrieben jeglicher Art ein Rauchverbot, allerdings mit erheblichen Ausnahmen. Gastronomischen Betrieben mit mehr als einem Gastraum ist es erlaubt, einen oder mehrere dieser Räume als Raucherzimmer auszuweisen, solange mindestens die Hälfte der zur Verabreichung von Speisen und Getränken vorgesehenen Plätze den Nichtraucherbereich darstellt. Der Tabakrauch darf dabei nicht in den Nichtraucherbereich gelangen.
Dass aber die nach der derzeitigen Gesetzeslage geforderte Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen in der Gastronomie nicht flächendeckend zu dem erhofften Schutz vor den Gefahren des Tabakrauchs führt, belegen aktuelle Untersuchungen, die sich mit der Feinstaubbelastung in Lokalen beschäftigen. Passivrauch enthält nämlich nicht nur gasförmige Substanzen und flüchtige organische Verbindungen, sondern auch Rauchpartikel. Diese weniger als 10 Mikrometer kleinen Partikel sind deswegen so gefährlich, weil sie tief in die Lunge gelangen. Die Feinstaubbelastung durch Tabakrauch ist in Nichtraucherbereichen von Lokalen mit getrennten Raucher- und Nichtraucherbereichen nicht nur rund dreieinhalb Mal so hoch ist wie in reinen Nichtraucherlokalen, auch überschreitet die Feinstaubkonzentration in Nichtraucherbereichen die Feinstaubkonzentrationen in der Außenluft in der Regel um das Mehrfache (bis zum 10-fachen). Auch bei geschlossenen, nur fallweise geöffneten Türen findet bedingt durch Luftströmungen ein signifikanter Übertritt von Feinstaub vom Raucherbereich in den Nichtraucherbereich statt. Mit dem Inkrafttreten des novellierten Nichtraucherschutzgesetzes hätte dieses Problem der Vergangenheit angehört, die gesamte österreichische Gastronomie wäre ohne Ausnahme zur rauchfreien Zone geworden.

Das Kippen dieses bereits 2015 beschlossenen Nichtraucherschutzgesetzes durch die jetzige Regierung stösst nicht nur bei sämtlichen medizinischen Fachgesellschaften auf Unverständnis und Widerstand, auch in der österreichischen Bevölkerung ist der Unmut groß. Als Reaktion auf diesen massiven gesundheitspolitischen Rückschritt wurde von der Wiener Ärztekammer gemeinsam mit der Österreichischen Krebshilfe im Feber 2018 das Don´t Smoke Volksbegehren initiiert.  Dieses fordert die Implementierung des Nichtraucherschutzgesetzes wie geplant. Das Volksbegehren ist extrem erfolgreich angelaufen. Knapp 600000 Österreicher haben bereits in der Unterstützungsphase ihre Stimme für das Volksbegehren abgegeben. Die Österreicher haben sichtlich die Zeichen der Zeit erkannt und fordern von der Regierung, was diese der Bevölkerung bislang schuldig geblieben ist, nämlich einen funktionierenden Nichtraucherschutz auf europäischem Niveau.

 

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