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Thema des Monats März: "Vermeiden statt leiden: Darmkrebsvorsorge jetzt!"

Dr. Martin HOFF


Zusammengestellt von Dr. Martin Hoff, niedergelassener Chirurg in Graz und Vorstandsmitglied der Österr. Krebshilfe Steiermark.

„An die Möglichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, hatte ich nie gedacht. Ich hatte ja nie Schmerzen oder Beschwerden. Die Darmspiegelung hat mein Leben gerettet.“  (Plácido Domingo)

Jedes Jahr erkranken rund 4.600 Menschen in Österreich an Dickdarm – oder Mastdarmkrebs. Trotz aller Fortschritte in der Therapie sterben auch jedes Jahr rund 1.000 Frauen und 1.150 Männer an diesen Erkrankungen.
Mehr als 90% dieser Karzinome sind auf dem Boden eines über viele Jahre langsam wachsenden und ursprünglich gutartigen Darmpolypen entstanden. Das konsequente Aufspüren und Entfernen dieser Polypen könnte also bis zu 90% aller Darmkrebsfälle verhindern!
Daher plädiert die Krebshilfe Steiermark: Vermeiden statt leiden - gehen Sie zur Darmkrebsvorsorge!

Risikoabschätzung
Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko für Dickdarmkrebs, deshalb sollte um das 40. Lebensjahr ein erstes ärztliches Beratungsgespräch stattfinden. Dabei soll auch eine eventuell vorhandene Risikokonstellation erhoben werden.
Wenn bei einem erstgradigen Verwandten ein Dickdarmkarzinom VOR dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde, so sollte die erste Koloskopie zumindest 10 Jahre VOR dem Erkrankungsalter des Verwandten erfolgen (sog. 10-Jahres-Regel). Dazu ein Beispiel: Erkrankung des Vaters mit 55 Jahren – die
Koloskopie aller Kinder sollte mit spätestens 45 Jahren erfolgen.

Jährlicher Test auf okkultes Blut im Stuhl
Ab dem 40. Geburtstag sollte jährlich eine Untersuchung auf okkultes (verborgenes) Blut im Stuhl durchgeführt werden. Der Okkulttest kann zu Hause durchgeführt werden. Sie erhalten dazu ein Testset von Ihrem Arzt, auf das Sie eine kleine Stuhlprobe aufbringen. Der Test wird danach von Ihrem Arzt ausgewertet.

Die Vorsorge-Koloskopie
Wenn in der Familiengeschichte keine Darmkrebserkrankungen vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten sind und bis dahin auch keine sonstigen Darm-beschwerden aufgetreten sind, sollte die erste Koloskopie zeitnah
ab dem 50. Geburtstag  durchgeführt werden.
Ist diese bei guter Entleerung vollständig bis in das obere Ende des Dickdarmes (Coecum) erfolgt und wurde ein unauffälliger Befund erhoben, so ist die nächste Koloskopie erst wieder in 10 Jahren erforderlich.
Wurden hingegen Polypen gefunden und entfernt, so ist das Untersuchungs-intervall in Abhängigkeit vom erhobenen Befund individuell festzulegen.

Die Untersuchung erfolgt mit einem gut biegsamen Endoskop (Video-Koloskop), das in den Enddarm und von dort weiter in die höheren Dickdarmabschnitte vorgeschoben wird. Das vordere Ende des Schlauchsystems ist in alle Richtungen beweglich und beherbergt eine Miniatur-Videokamera samt Beleuchtung. Die Bildinformation gelangt zum Video-Prozessor und von dort auf den Bildschirm, sodass Untersucher und Assistenz gleichzeitig einen guten Überblick über das Geschehen haben.
Während der Untersuchung ist auch die Entfernung von Polypen oder die Entnahme von verdächtigem Gewebe über den Instrumentenkanal möglich.
Jede entnommene Probe wird anschließend vom Pathologen unter dem Mikroskop beurteilt (=histologischer Befund).
Die Koloskopie gilt somit nach wie vor als „Goldstandard“ in der Darmkrebsvorsorge und Früherkennung. Ist das Ergebnis der Koloskopie „negativ“ – also unauffällig oder „ohne Befund“ -  und ist aus der Familienanamnese kein erhöhtes Risiko für  Darmkrebs zu erheben, dann kann man sich mit der nächsten Untersuchung 10 Jahre Zeit lassen.

Sanfte Koloskopie
Viele Menschen haben noch immer Angst vor einer Darmspiegelung, da diese so schmerzhaft sein soll. Diese Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei.
Heute wird jedem Patienten ein Beruhigungsmittel angeboten, damit die Untersuchung ein einer Art Dämmerschlaf stattfindet und nicht unangenehm ist.
Mit dieser Möglichkeit einer entsprechenden Sedierung  ist die Koloskopie heute keine belastende oder schmerzhafte Untersuchung mehr.
Grundsätzlich ist die Koloskopie aber auch ohne Sedierung durchführbar und wird diese Form der Untersuchung (Patient ist wach) von manchen Patienten bevorzugt.

Darmvorbereitung
Die wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Untersuchung ist eine vollständige Darmreinigung. Dabei müssen am Vortag bzw. am Tag der Untersuchung mehrere Liter Abführlösung (ca. 2 bis 4 Liter) getrunken werden. Je nach verwendetem Präparat unterscheiden sich die Entleerungsvorschriften und der zeitliche Ablauf geringfügig.

Untersuchungstellen
Es gibt in Österreich rund 200 Ordinationen und Kliniken, die eine „Sanfte Koloskopie“ anbieten und mit dem „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ (Diplom der ÖGGH) ausgezeichnet wurden.
Ordinationen und Krankenhausabteilungen, die nach diesen Qualitätsrichtlinien  arbeiten und auch die  „Sanfte Koloskopie“ anbieten finden Sie in Form einer Suchmaschine unter www.krebshilfe.net oder in der Broschüre der Österreichischen Krebshilfe. "Darmkrebsvorsorge: Keine Ausreden mehr: Vermeiden statt Leiden."

Ablauf der Sanften Koloskopie:
1.    Sie bekommen bei der Anmeldung ein Erklärungsblatt zur Untersuchung und zur Möglichkeit der Sedierung.

2.    Sie können vor dem Untersuchungstag bei Bedarf Fragen und Ängste mit dem Arzt besprechen.

3.    Sie bekommen eine schriftliche Anleitung zur Vorbereitung.

4.    Sie bekommen die Prämedikation angeboten.

5.    Es ist eine Ruhe- bzw. Überwachungszone vorhanden.

6.    Es ist ein Gespräch über das Ergebnis der Untersuchung vorgesehen.

Seit Mai 2007 betreibt die ÖGGH (Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie) gemeinsam mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger das Projekt „Qualitätssicherung Darmkrebsvorsorge“. Dieses Qualitätszertifikat kann jede endoskopierende Stelle auf freiwilliger Basis anfordern.

Folgende Leistungen sind dabei verpflichtend:

•    Qualifiziertes Personal: Das Qualitätszertifikat geht nur an Stellen, die mindestens 100 Koloskopien jährlich durchführen.
•    Polypektomie in einem Untersuchungsgang: Die zertifizierten Stellen können einen Darmpolypen, wenn er im Rahmen der Koloskopie entdeckt wird, sofort abtragen. Der Patient/die Patientin muss sich nicht nochmals einer Koloskopie unterziehen.
•    „Waschmaschine“ zur Gerätedesinfektion: Die zertifizierten Stellen verfügen zur Säuberung und Desinfektion der Koloskopiegeräte über eine so genannte „Waschmaschine“.
•    Regelmäßige Hygienekontrollen: Jährliche Überprüfung der Hygienequalität.
•    Kreislaufüberwachung und Notfallausrüstung: Die Zertifikatsinhaber sind verpflichtet, den Zustand der PatientInnen während der Untersuchung laufend zu überwachen und für den Bedarfsfall eine Notfallausrüstung bereitzuhaben.
•    Beratungsgespräch: Die zertifizierte Stelle ist verpflichtet, die standardisierte PatientInneninformation gemeinsam mit dem Rezept oder den Arzneimitteln für die Darmvorbereitung spätestens 24 Stunden vor der Koloskopie an den Patienten/die Patientin auszuhändigen. Darüber hinaus wird in einem Aufklärungsgespräch eine genaue Instruktion zur Durchführung der Darmreinigung gegeben und noch evtl. offene Fragen geklärt.
•    Angebot einer Prämedikation (Sanfte Koloskopie): Den PatientInnen muss eine Prämedikation angeboten werden. Der/die PatientIn soll auch entscheiden können, ob er/sie auf eine Prämedikation verzichten möchte.
•    Komplette Video-Koloskopie: Alle zertifizierten Stellen führen eine vollständige Video-Koloskopie durch.
•    Nachbetreuung: Die Zertifikatsinhaber sind verpflichtet, den PatientInnen während der gesamten Untersuchung bis zur Entlassung aus der ärztlichen Obsorge zu beobachten und zu betreuen.
•    EDV-Dokumentation: Zertifizierte Stellen sind zur Datenerfassung und Dokumentation verpflichtet.

Eine Auflistung aller Ordinationen und Kliniken, die dieses Qualitätszertifikat besitzen können Sie jederzeit online abfragen unter: www.krebshilfe.net, www.oegh.at/zertifikat (Vierteljährlich erfolgt eine Aktualisierung).
 
Aus Liebe zum Leben!

Die Broschüre Darmkrebsvorsorge mit einer Auflistung aller Stellen in ganz Österreich die ein Qualitätszertifikat „Darmkrebsvorsorge“ haben sowie weiteren wertvollen Informationen rund um das Thema Darmkrebsvorsorge kann unter office@krebshilfe.at oder unter der Telefonnummer 0316 / 47 44 33-0 kostenlos bestellt werden.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurden personenbezogene Bezeichnungen nur in
der männlichen Form verwendet. Die weibliche Form ist in jedem Fall ebenso einbezogen.

 

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