Zusammengestellt von Mag. Nina Bernhard, Bakk., Klinische und Gesundheitspsychologin und Beratungsteamleiterin bei der Krebshilfe Steiermark.
Viele Betroffene fühlen sich nicht krank, wenn sie die Diagnose Krebs erhalten. Die Nachricht ist für sie ein Schock, wirkt surreal und doch so bedrohlich - es fühlt sich an wie ein Sturz aus der Wirklichkeit.
Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“.
Für die allermeisten Betroffenen ist die Diagnose Krebs ein psychischer Wendepunkt – er teilt das Leben in eine Zeit vor der Krebserkrankung und die Zeit nach der Diagnosestellung. Der eine Satz „Sie haben Krebs“, der das ganze Leben auf den Kopf stellt, den Boden unter den Füßen wegzieht und von vielen Betroffenen als „ein Sturz aus der Wirklichkeit“ beschrieben wird.
Auf den Diagnoseschock folgen oft intensive Emotionen. Angst und Verzweiflung wechseln sich ab mit Zuversicht und Hoffnung. Betroffene erleben eine regelrechte Achterbahn der Gefühle. Und das ist auch normal – jede Emotion hat ihre Berechtigung.
Die „richtige“ Reaktion…
…gibt es nicht. Jeder Mensch reagiert anders auf eine Krebsdiagnose - hat seine eigenen Bewältigungsstrategien. Was für den einen sehr hilfreich ist, kann für eine andere Person überhaupt nicht hilfreich sein. Manche beginnen aktiv Informationen zu sammeln, andere möchten sich so wenig wie möglich mit Informationen auseinandersetzen. Ähnlich verhält es sich mit Gesprächen über die Situation: für einige Betroffene ist es hilfreich mit möglichst vielen Menschen möglichst häufig über die belastende Situation zu sprechen, andere wiederum ziehen sich lieber zurück und möchten nicht über ihre Gefühle sprechen. Die psychischen Reaktionen sind so individuell, wie die Menschen selbst.
Niemand ist alleine krank!
Die Krebserkrankung betrifft nie nur den erkrankten Menschen allein. Auch für Angehörige, Freunde und das weitere soziale Umfeld stellt die Diagnose eine Veränderung dar. Es wird von allen Beteiligten ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit gefordert.
Vor allem für Familien mit Kindern ist die Erkrankung eines Elternteils eine große psychische und oft auch logistische Herausforderung. Durch die Diagnose verändert sich so viel: gewohnte Rollenverteilungen müssen neu organisiert werden (beispielsweise kann Mama das Kind nicht mehr vom Kindergarten abholen, das muss vorübergehend von jemand anderem übernommen werden) und oft wird die Stimmung zuhause spürbar anders.
Kinder spüren Veränderungen, auch dann, wenn Erwachsene versuchen sie zu schützen. Werden sie dann in ihren Sorgen nicht ernstgenommen oder wird die Erkrankung vor ihnen verheimlicht können sie schnell das Vertrauen verlieren und sich alleine fühlen. Eine altersgemäße Aufklärung und Kommunikation mit den Kindern sind daher überaus wichtig. Nur so kann verhindert werden, dass sich die Kinder ausgeschlossen und damit allein mit ihren Ängsten und Sorgen fühlen.
Eine Krebsdiagnose erschüttert das Leben von Betroffenen und deren Angehörigen in seinen Grundfesten. Doch gerade in dieser Ausnahmesituation zeigt sich, wie wichtig Unterstützung ist – ob durch Gespräche, durch praktische Hilfe im Alltag oder durch professionelle Begleitung. Und so kann jede Form der Unterstützung dazu beitragen, den Sturz aus der Wirklichkeit ein wenig abzufedern und Schritt für Schritt wieder Orientierung zu gewinnen.

