Thema des Monats Februar: "Diagnose Krebs: Das Gefühls-Chaos in mir verstehen und bewältigen"

Zusammengestellt von Mag. Monika Barwig, Klinische Psychologin, Psychotherapeutin i.A.u.S. bei der Krebshilfe Steiermark.

Am 04. Februar, dem Weltkrebstag, wird thematisch in den Mittelpunkt gerückt, was den Umgang mit Krebserkrankungen ausmacht: Das Motto lautet „Gemeinsam einzigartig“ oder international „United by Unique“ – Krebserkrankungen sind so individuell wie der Mensch selbst und doch verbindet sie Millionen von Menschen weltweit. Jede Patientin und jeder Patient hat eine ganz eigene Geschichte, eigene Erfahrungen und eigene Bedürfnisse. „Gemeinsam einzigartig“ bedeutet, diese Individualität anzuerkennen und gleichzeitig die Kraft der Gemeinschaft zu nutzen.

2023 wurde in Österreich bei 24.697 Männern und 21.821 Frauen Krebs festgestellt. Die häufigsten Diagnosen waren bösartige Tumore der Brust bei Frauen und bösartige Tumore der Prostata bei Männern, gefolgt von bösartigen Tumoren der Lunge (beide Geschlechter zusammen) und des Darms (beide Geschlechter zusammen).

Die Diagnose Krebs stellt das Leben von Betroffenen und deren Angehörigen auf den Kopf. Zu Beginn steht meist der Schock oder ein Gefühl von Unwirklichkeit. Wie kann etwas plötzlich sein, was nicht sein darf? Es kommt zu einer Verunsicherung des eigenen Selbstbildes (Ich als „kranke Person“) und des Weltbildes (die Welt als „ungerechter, unsicherer Ort“). Ein Gefühlschaos entsteht. Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer treten nun abwechselnd oder gemeinsam auf. Diese sind manchmal schwer zu identifizieren und auseinanderzuhalten. Zu allem Überfluss treten nun auch körperliche Begleiterscheinungen auf. Herzklopfen, Schweißausbrüche,
und andere körperliche Missempfindungen oder gar Schmerzen können darauf hindeuten, dass die Psyche gerade „überfordert“ ist. Manchmal fühlen sich diese körperlichen Begleiterscheinungen auch wie ein eigenständiges neues Krankheitsbild an, was zusätzlich verunsichert („Was ist nur auf einmal mit meinem Körper los?“). Diese Probleme können relativ bald nach der Diagnose aber auch verzögert (zum Beispiel erst nach abgeschlossener Behandlung) auftreten. Beide Reaktionsweisen
sind „normal“.

Was kann man tun, um mit dem ganzen Chaos fertig zu werden? Hier finden Sie konkrete Tipps:

1) Lassen Sie wenn möglich Ihre Gefühle zu!
Machen Sie die Erfahrung, dass Gefühle sich abschwächen, wenn sie zugelassen werden. Zu versuchen diese dauerhaft zu unterdrücken kostet sehr viel Energie und kann zu körperlichen Beschwerden führen. Suchen Sie Momente, in denen es Ihnen möglich ist Ihre Gefühle zuzulassen. Wenn Sie andere nicht belasten wollen, dann sorgen Sie dafür, dass Sie in diesen Momenten allein und ungestört sind.

2) Horchen Sie in sich hinein und versuchen Sie das aktuelle Gefühl in Ihnen herauszufinden. 
Dem aktuellen Gefühl einen Namen zu geben führt ebenfalls dazu, das sich dieses abschwächen kann. Sie können mit jemandem darüber sprechen, oder es für sich selber klären, indem sie es sich beschreiben (oder auch aufschreiben). Dadurch schaffen Sie eine gewisse Distanz!

3) Akzeptieren Sie Ihre Gefühle!
Es ist normal sich so zu fühlen. Negative Gefühle als Reaktion auf belastende Ereignisse zu haben ist menschlich und kein Zeichen von Schwäche! Vermeiden Sie es sich deswegen abzuwerten. Was Sie jetzt brauchen ist (Selbst-)Fürsorge und keine Härte. Versuchen Sie sich in solchen Momenten selbst ein guter Freund/ eine gute Freundin zu sein!

4) Bringen Sie ihr vorherrschendes Gefühl zum Ausdruck (Wenn Sie traurig sind, dann weinen Sie. Wenn sie wütend sind, dann schreien oder boxen Sie! Wenn Sie ängstlich sind, dann holen Sie sich Hilfe!).

5) Wenden Sie sich wieder dem Alltag zu.
Nachdem Sie Ihr Befinden zum Ausdruck gebracht haben, wird es Ihnen etwas leichter fallen sich wieder auf Ihren Alltag zu konzentrieren. Versuchen Sie einen Mittelweg zu finden, d.h. gewähren Sie sich Momente, in denen sie Ihre Emotionen zulassen und versuchen Sie sich danach wieder auf den Alltag zu konzentrieren. In Krisenzeiten schaffen Routinen und alltägliche Tätigkeiten Sicherheit.

6) Haben Sie Geduld mit sich!
In der Regel werden auch die heftigsten Gefühlsausbrüche mit der Zeit weniger und eine gewisse Akzeptanz gegenüber der aktuellen Situation stellt sich ein. Bis es soweit ist, versuchen Sie geduldig und wohlwollend mit sich zu sein. Holen Sie bei Bedarf Hilfe!
Das Team der Krebshilfe bietet Ihnen Hilfe an und lässt Sie nicht alleine!

Aus Liebe zum Leben.