Zusammengestellt von DGKP Christine Drießler, BSc MSc, Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Pflegepädagogin und -beraterin bei der Österr. Krebshilfe Steiermark.
Hand-, Fuß- und Nagelpflege während einer taxanhaltigen Chemotherapie
Taxane sind eine Gruppe von Chemotherapeutika, die häufig in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Paclitaxel und Docetaxel. Sie kommen unter anderem bei der Behandlung von Brustkrebs, Eierstockkrebs, Lungenkrebs sowie Magenkrebs zum Einsatz.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Therapie mit Taxanen gehören:
- Periphere Neuropathie: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen in Händen und Füßen
- Neutropenie: Verminderung der weißen Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten), wodurch das Infektionsrisiko erhöht sein kann
- Haut- und Nagelveränderungen sowie Haarausfall
Während einer Behandlung mit Taxanen ist die Haut häufig sehr trocken, empfindlich und neigt zu Rötungen. Auch die Nägel können sich verfärben, brüchig werden oder sich teilweise ablösen. Eine konsequente und schonende Pflege trägt dazu bei, die Hautbarriere zu schützen und schmerzhaften Entzündungen vorzubeugen.
Hautpflege
- Verwenden Sie lauwarmes (nicht heißes) Wasser sowie parfümfreie, pH-neutrale und rückfettende Waschlotionen.
- Pflegen Sie Ihre Haut täglich mit einer feuchtigkeitsspendenden Körpercreme, idealerweise mit 5 % Urea, sofern diese gut vertragen wird.
- Schützen Sie Ihre Haut ganzjährig vor UV-Strahlung, da sie während der Chemotherapie besonders empfindlich ist. Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit LSF 50 sowie UVA- und UVB-Schutz.
- Tragen Sie bei Haus- und Gartenarbeiten stets Schutzhandschuhe, um Hautverletzungen zu vermeiden.
Nagelpflege
- Schneiden Sie Ihre Nägel möglichst nicht, sondern feilen Sie sie regelmäßig kurz, um Einrisse und Splitterungen zu verhindern.
- Schneiden Sie die Nagelhaut nicht. Pflegen Sie sie stattdessen regelmäßig mit einem Nagelöl oder einer pflegenden Creme, um Nagelbettentzündungen vorzubeugen.
- Pflegen Sie Ihre Hände mehrmals täglich mit einer unparfümierten Handcreme.
- Cremen Sie ihre Füße mindestens 1x täglich mit einer ureahaltigen Fußcreme ein.
- Verwenden Sie atmungsaktive, siliziumhaltige Nagellacke. Diese können die Nägel stärken und vor dem Austrocknen schützen. Dunkle, siliziumhaltige Lacke bieten zusätzlich einen gewissen Lichtschutz und können Nagelverfärbungen vorbeugen.
Haar- und Kopfhautpflege
- Verwenden Sie ausschließlich milde, parfümfreie Shampoos.
- Vermeiden Sie häufiges Föhnen sowie die Anwendung von Glätteisen oder Lockenstäben. Lassen Sie Ihr Haar möglichst an der Luft trocknen oder verwenden Sie den Föhn nur auf der Kaltstufe.
- Trocknen Sie das Haar nach dem Waschen vorsichtig ab, indem Sie es sanft mit einem Handtuch trocken tupfen.
- Eine Kopfhautkühlung (Scalp Cooling) vor, während und nach der Infusionsverabreichung kann das Risiko eines therapiebedingten Haarausfalls reduzieren.
- Sollte es dennoch zu vollständigem Haarausfall kommen, ist eine regelmäßige Feuchtigkeitspflege der Kopfhaut wichtig. Schützen Sie die Kopfhaut zusätzlich mit Sonnencreme sowie einer Kappe oder einem Sonnenhut vor Sonneneinstrahlung.
- Für die Versorgung mit einer Perücke kann eine ärztliche Verordnung (Perückenschein) ausgestellt werden. Diese wird häufig im behandelnden Krankenhaus ausgestellt und dient als Grundlage für eine mögliche Kostenübernahme durch die Krankenversicherung.
Periphere Neuropathie
Bei Patient:innen, die mit Taxanen behandelt werden, kann das Tragen spezieller Kühlhandschuhe und Kühlschuhe während der Infusion das Risiko für Nagelveränderungen sowie für die Entwicklung einer peripheren Neuropathie verringern.
Fazit
Eine sorgfältige Haut-, Nagel- und Haarpflege kann dazu beitragen, die Belastungen einer taxanhaltigen Chemotherapie zu reduzieren und die Lebensqualität während der Behandlung zu verbessern. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam frühzeitig an, wenn Haut-, Nagel- oder Nervenbeschwerden auftreten. Eine rechtzeitige Behandlung kann Beschwerden lindern und Komplikationen vorbeugen.